Jahresbericht `25
Zyklone
Das Jahr 2025 begann für die Menschen in unserem Einsatzgebiet in Ejeda im Südwesten von Madagaskar mit zwei Zyklonen und zog schwere Folgen nach sich.
In der Zeit vom 9. bis zum 17. Januar 2025 raste der Zyklon Dekeledi mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 146 km/h von der Westküste über Tulear kommend über das Gebiet hinweg.
Der Zyklon Honde wütete in Ejeda mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 130 km/h vom 25.02. bis zum 06.03.2025.
Beide Zyklone kamen mit sintflutartigen Regenfällen. Die Straßen standen mannshoch unter Wasser, und Transporte von Lebensmitteln und sonstigen Waren nach Ejeda waren über Wochen nicht möglich. Die Preise für Lebensmittel, Bohnen und Reis stiegen aufgrund der Verknappung erheblich an, sodass sich viele Menschen diese nicht mehr leisten konnten.
Der Sturm hatte in unseren Dörfern Sevaseva Centre und Sevaseva II zahlreiche Hütten komplett zerstört, und die Menschen waren praktisch obdachlos. Einige konnten in unserer Schule in Sevaseva Unterschlupf finden, bis der Regen wieder nachgelassen hatte und die Menschen beginnen konnten, die zerstörten Hütten wieder aufzubauen.
Zyklon-Soforthilfe
Mit Hilfe von großzügigen, zahlreichen Spenderinnen und Spendern konnten wir in kurzer Zeit einen erheblichen Betrag einsammeln und damit den Wiederaufbau von ca. 90 Hütten finanziell unterstützen, indem wir den Familien das Material (u. a. Steine, Blech usw.) zur Verfügung gestellt haben. Die Familien haben dann ihre Hütten in Eigenarbeit wieder aufgebaut.
Neubau einer Schule in Enosy
Im letzten Jahr hatten wir den Neubau einer Schule in dem Dorf Enosy, etwa 8 Kilometer von Ejeda entfernt, beschlossen und angekündigt. Dank einer zweckgebundenen Einzelspende konnten die Bauarbeiten nach dem Ende der Regenzeit im Frühjahr 2025 beginnen.
Bei unserem Besuch und Einsatz im Oktober/November wurde die Schule feierlich eingeweiht und mit neuen Schulmöbeln ausgestattet.
In drei Klassenzimmern können die drei Lehrerinnen nun zahlreiche Schülerinnen und Schüler aus Enosy und der Umgebung unterrichten.
Bemerkenswert ist, dass die Lehrerinnen in Ejeda wohnen und jeden Tag einen zweistündigen Fußweg hin und zwei Stunden zurück in Kauf nehmen. Dieses Engagement verdient Anerkennung und Respekt.
Lehrerfortbildung
In den Primärschulen in Sevaseva Centre, Sevaseva II und nun auch in Enosy arbeiten die Lehrkräfte unter besonderen Bedingungen. Meistens wird nur der Direktor/die Direktorin bezahlt, die anderen Lehrkräfte müssen erst einmal ein paar Jahre ohne staatliche Bezahlung arbeiten, bevor sie eine bezahlte Anstellung bekommen können. Gerade im Süden sind die Französischkenntnisse der Lehrkräfte oft nicht ausreichend, um die Schüler*innen in Französisch angemessen unterrichten zu können.
Wir haben daher eine Fortbildung für Lehrkräfte organisiert, an der alle Lehrerinnen und Lehrer aus unseren drei Schulen teilgenommen haben. Warten wir ab, welchen Erfolg die Fortbildung hatte. In der Schule in Sevaseva II haben wir Lehrerinnen getroffen, die sehr gut Französisch sprechen konnten.
CSB Ambatovaky
Der Bau der Schutzmauer um das CSB in Ambatovaky konnte in diesem Jahr fertiggestellt werden. Auch der Bau der Zäune um die Privatbereiche der Angestellten konnte abgeschlossen werden.
Im Oktober/November haben Dr. Martin Frank, Claudia Unruh und Dr. Henrike Wilkens die zurzeit dort tätige Hebamme sowie eine Krankenschwester fortgebildet und zahlreiche Patient*innen medizinisch betreut und versorgt.
Dank zahlreicher Spenden und Helfer konnten wir ein mobiles Ultraschallgerät anschaffen, das wir nach Madagaskar mitgenommen haben.
Dr. Martin Frank und Dr. Henrike Wilkens haben Clementine und Beatrice in die Grundlagen der Benutzung dieses teuren und empfindlichen Geräts eingeführt. Die beiden Mitarbeiterinnen des CSB werden in nächster Zeit noch eine umfangreiche Aus- und Fortbildung erhalten, sodass sie das Gerät dann sinnvoll einsetzen können.
Zurzeit ist das CSB personell unterbesetzt. Wir haben daher unseren Aufenthalt genutzt, um ein Gespräch mit dem zuständigen Gesundheitsinspektor zu führen. Er hat uns zugesagt, noch im November den fehlenden Krankenpfleger und eine Krankenschwester nach Ambatovaky zu beordern.
Leider gibt es in den Logements der Angestellten und in dem Logement des Hausmeisters ein Problem mit Fledermäusen, die den Raum zwischen der Decke der Räume und dem Wellblechdach bevölkert haben. Der ungesunde Kot der Fledermäuse kann in die Wohnräume gelangen. Die Dächer müssen saniert und die Fledermäuse vertrieben werden. Die Sanierung hat bereits stattgefunden.
Bei unserem letzten Besuch in Ambatovaky nahmen wir eine Liste noch benötigter medizinischer und sonstiger Ausrüstungsgegenstände mit, die wir noch in Tulear besorgen konnten. So konnten diese Gegenstände noch im November 2025 nach Ambatovaky gebracht werden.
Die Schulen Sevaseva Centre und Sevaseva II
Türen und Fenster der Schule in Sevaseva Centre haben einen dringend benötigten neuen Farbanstrich erhalten, und die Lehrerinnen konnten das für sie im letzten Jahr errichtete Logement beziehen.
Die kleine Schule in Sevaseva II war durch Wirbelstürme völlig zerstört worden. Die Eltern hatten begonnen, die Schule in Eigenarbeit und mit eigenen finanziellen Mitteln wieder aufzubauen. Am Ende fehlte für die Vollendung das Geld für den Kauf notwendiger Materialien, die Fanajana dann finanziert hat. Auch diese Schule haben wir mit neuen Schulmöbeln ausgestattet.
Wir konnten uns von dem baulichen Zustand der Schule überzeugen. Die Eltern haben gute Arbeit geleistet. Obwohl Schulferien waren, haben wir bei der Besichtigung alle Lehrerinnen, die extra aus Ejeda gekommen waren, Eltern und den Bürgermeister des Ortes kennengelernt.
Schulpatenschaften
Auch 2025 haben wir die Unterstützung der Schüler und Schülerinnen aus Ejeda und Sevaseva fortgesetzt und das Schulgeld sowie Materialien finanziert. Zwei der Schüler haben in diesem Jahr die Schule mit dem Abitur beendet und möchten gerne in Tulear studieren. Dies ist mit deutlich höheren Kosten verbunden, die aus unserem Budget für Schulpatenschaften nicht finanziert werden können. Wir haben die beiden gebeten, aussagekräftige Bewerbungen für ein Stipendium bei Fanajana zu schreiben, und werden versuchen, dafür Spender*innen zu finden.
Eines unserer Schulpatenkinder, Hacina, hatte große Sorgen. Ihre Mutter ist verstorben, und sie und ihr Vater versorgten bisher gemeinsam die beiden kleineren Geschwister von Hacina. Die 13-jährige Hacina ist eine der besten Schülerinnen in ihrer Klasse, und ihr weiterer schulischer Werdegang ist vielversprechend.
Da ihr Vater in Ejeda keine Arbeit mehr finden konnte, hatte er zwei Tagesreisen entfernt Arbeit in einer Goldmine angenommen, wobei sein Tagesverdienst von 10.000 Ariary (etwa 2 bis 2,50 Euro) nicht ausreichte, um die Familie in Ejeda mit den nötigsten Lebensmitteln zu versorgen. Außerdem musste sich Hacina um die kleinen Geschwister kümmern, sodass ihr weiterer Schulbesuch gefährdet war.
Zusammen mit Noella, unserer Vertreterin vor Ort, und dem Vater haben wir eine Lösung gefunden, die die Familie stabilisiert und Hacina weiterhin die Möglichkeit eröffnet, regelmäßig und konzentriert zur Schule zu gehen.
Wir haben einen „Omby“ (Zebu) und eine Charette mit Wasserfass käuflich erworben und dem Vater leihweise zur Verfügung gestellt. Mit dem Transport und Verkauf von Wasser kann die Familie nun in Ejeda Einkommen erwirtschaften, und der Vater kann sich persönlich um die Familie kümmern. Damit hat sich die Situation für die Familie auf einen Schlag deutlich verbessert und stabilisiert.
Permakultur für Sevaseva Centre
Anfang des Jahres kam die Frage von Lebensmittelhilfslieferungen in den Süden Madagaskars auf.
Da wir mit dem Schulgarten an unserer Schule in Sevaseva Centre gute Erfahrungen gemacht hatten und damit zumindest die Kinder der Schule mit gesunder Ernährung versorgen können, haben wir den Vorschlag unterbreitet, statt einfach nur Lebensmittel zu liefern, den Schulgarten zu erweitern. Die Hilfe durch Nahrungsmittellieferungen ist nur kurzfristig hilfreich und verändert die Situation der Menschen nicht nachhaltig, hält sie zudem in Abhängigkeit von Lieferungen und fördert nicht unbedingt die Eigenverantwortlichkeit.
So war eine umfangreiche Recherche nötig und ein Profi erforderlich. Mit Lukas Uhl von der Organisation PermaPartner habe ich jemanden gefunden, der sich damit auskennt, bereits in Madagaskar gelebt hat und entsprechende Erfahrungen mitbringt.
Im Süden Madagaskars gibt es immer wieder lange und heiße Dürreperioden. Wenn es dann heftig regnet, kann das Wasser nicht in den harten Boden eindringen, sondern läuft ungenutzt von den Ackerflächen ab. Es ist daher erforderlich, die Oberflächen und Böden so zu verändern, dass das Regenwasser gespeichert wird, der Grundwasserspiegel erhöht wird und auch in der Trockenzeit ausreichend Feuchtigkeit in den Ackerböden zur Verfügung steht.
Das Dorf Sevaseva hat uns für dieses Projekt (Erweiterung des Schulgartens) eine Ackerfläche von 1,5 ha zur Verfügung gestellt. Auf der Hälfte dieser Fläche haben wir unter Anleitung und Mithilfe von Lukas Uhl vom Verein PermaPartner eine Ackerfläche nach den Kriterien der Permakultur angelegt und die andere Hälfte als sofort nutzbare Gartenfläche gestaltet.
Weiterhin haben wir zwei Brunnen gegraben, damit die Gartenfläche in der Trockenzeit mit Brunnenwasser bewässert werden kann. Damit auch in der Übergangszeit und in Zeiten, in denen die Brunnen möglicherweise nicht genug Wasser führen, ausreichend Wasser vorhanden ist, haben wir mit großzügiger finanzieller Unterstützung durch den Hamburger Klimaschutzfonds zusätzlich einen Tiefenbrunnen bohren und einen Wasserturm bauen lassen.
Wir hoffen, damit die Versorgung der Bevölkerung mit gesunden Lebensmitteln nachhaltig verbessert und mit der Anlage der Permakulturfläche auch einen kleinen Beitrag zum Klimaschutz geleistet zu haben.
Das Projekt hat noch einen weiteren Aspekt: Unsere Projekte sollen Hilfe zur Selbsthilfe sein. Die Bevölkerung von Sevaseva hat über fast drei Wochen für das Projekt gearbeitet. Ohne diese Mithilfe hätte das Projekt nicht beendet werden können. Die Menschen haben gezeigt, dass sie bereit und in der Lage sind, Eigenverantwortung zu übernehmen. Das ist Hilfe zur Selbsthilfe.
Es ist unser Pilotprojekt und soll mit Hilfe von Navid Kermani und dem Rotary Club im nächsten Jahr in Enosy umgesetzt werden.
Navid Kermani ist Journalist und erfolgreicher Autor. Sein letztes Buch „In die andere Richtung jetzt“, das mit seinen Erfahrungen auf einer Reise nach Madagaskar beginnt, hat er in diesem Jahr in zahlreichen Benefizlesungen vorgestellt und damit auch Fanajana unterstützt.
Krankenstation unserer Hebamme Tsiory
Mit der Hebamme Tsiory arbeiten wir schon seit Jahren zusammen. Sie hat und führt in unserem Gesundheitszentrum im Süden Madagaskars Fortbildungen für Hebammen durch.
In einem Vorort der Hauptstadt Antananarivo baut Tsiory eine kleine Krankenstation auf, in der sie schwangere Frauen und Mütter medizinisch begleitet. Wir haben in diesem Jahr den Bau dieser Krankenstation finanziell unterstützt. Die Arbeiten sind fast beendet, und die Betreuung der Frauen, die Tsiory zwischenzeitlich in provisorischen Räumen durchgeführt hat, kann dann professionell weitergehen.
Ausblick auf 2026
Noch im November 2025 wurde der Grundstein für eine neue Schule in Ejeda gelegt, die gleichzeitig auch eine weiterführende Schule mit der Möglichkeit, das Abitur zu erwerben, sein soll. Ziel ist es, dort ausschließlich sehr gut ausgebildete Lehrerinnen zu beschäftigen, damit die Schülerinnen ein Niveau erreichen, mit dem sie realistisch ein Studium beginnen können. Der Neubau soll 2026 nach der Regenzeit fertiggestellt werden und wird durch eine zweckgebundene Einzelspende finanziert.
Auch für die Schule und das Dorf Enosy ist der Bau eines Brunnens mit Wasserturm sowie die Anlage eines Schulgartens mit Permakulturfläche geplant. Die Permakultur- und Gartenfläche in Sevaseva werden wir monatlich evaluieren.
Ein Besuch unserer Projekte sowie die Fort- und Weiterbildung des medizinischen Personals in Ambatovaky werden auch 2026 wieder erfolgen. Wir hoffen sehr, dass sich all unsere Projekte weiterhin gut entwickeln.
An dieser Stelle möchten wir allen Menschen, die uns in diesem Jahr unterstützt haben, von ganzem Herzen – auch im Namen der Menschen in Madagaskar – danken. Ohne Ihre/Eure Hilfe wären all diese Projekte nicht möglich gewesen.
Ihre/Eure
Claudia Schweppe Unruh