Madagaskar

Madagaskar hat etwa 25 Millionen Einwohner und ist mit einer Fläche von knapp 600.000 Km² nach Indonesien der flächenmäßig zweitgrößte Inselstaat der Welt. Madagaskar ist doppelt so groß, wie ganz Italien, siebenmal so groß, wie Österreich und annähernd so groß, wie Frankreich. Die Republik Madagaskar liegt vor der Ostküste Mosambiks im Indischen Ozean. Den Inselstaat umgibt eine rund 5000 Km lange Küstenlinie. Das zentrale Madagaskar ist eine Hochebene mit durchschnittlichen Höhen von 1100 Metern. Es fällt nach Osten schroff und steil ab, während der Anstieg im Westen sanfter ausfällt. Das Plateau gipfelt im Maromokotro, dem mit 2876 Meter höchsten Berg der Insel.

Klima

Madagaskar liegt im tropischen Klima des Südäquatorialstromes. Die Niederschläge nehmen von Ost nach Südwest kontinuierlich ab. So fallen an der Westküste teilweise nur 500 l/m² pro Jahr, während es an der Ostküste regional bis zu 4.000 l/m² sein können. In Deutschland fallen im Vergleich landesweit durchschnittlich 850 l/m². Die Jahresdurchschnittstemperatur liegt bei 25 °C, wobei die Temperaturen an den Küsten höher liegen und im Landesinneren im Hochland bis unter den Gefrierpunkt sinken können. Statt Sommer und Winter gibt es entsprechend Regen- und Trockenzeiten. Fast jährlich suchen gefährliche Zyklone die Insel heim.

Flora und Fauna

Madagaskar zählt zu den sog. älteren Inseln. So werden Inseln bezeichnet, die seit einem langen geologischen Zeitraum vom Festland getrennt sind. Hier kommen oft Tier- und Pflanzenarten vor, die nirgendwo sonst auf der Erde zu finden sind. Von den etwa 12.000 Arten von Blütenpflanzen und den 109 Säugetierarten sind jeweils 80 Prozent, von den 250 Vogelarten rund die Hälfte, von den 260 Reptilienarten 95 Prozent und von den 150 Froscharten alle endemisch. Diese einzigartige Pflanzen- und Tierwelt ist auf Madagaskar besonders bedroht. Das Verschwinden vieler Tierarten resultiert seit der Besiedlung der Insel aus dem Wachstum der Bevölkerung, aus der Jagd, zunehmender Rinderhaltung, Abbau von Tropenhölzern sowie insbesondere der Lebensraumzerstörung durch Brandrodung. Drei Fünftel der tropischen Regenwälder wurden auf diese Weise bereits in Savannen bzw. Sekundärwälder verwandelt. Ursprünglich war Madagaskar zu rund 90 Prozent bewaldet. Von den 53 Millionen Hektar Wald sind heute nur noch etwa zehn Prozent erhalten.

Geschichte

Obwohl vor der Küste Ostafrikas, der mutmaßlichen „Wiege der Menschheit“, gelegen, ist Madagaskar eines der letzten durch den Menschen besiedelten Gebiete der Erde. Konservative Schätzungen datieren erste menschliche Präsenz auf der Insel um das Jahr 350 v. Chr. Die Herkunft der ersten Bewohner ist ungeklärt, wobei aufgrund linguistischer und genetischer Erkenntnisse davon ausgegangen wird, dass Madagaskar von Ostafrika, Süd- und Südostasien und dem Nahen Osten aus besiedelt worden ist.

Entdeckung durch Europäer: Am 10. August 1500 sichtete der portugiesische Seefahrer Diogo Dias als erster Europäer Madagaskar und nannte die Insel nach dem Namenstag des Laurentius von Rom São Lorenço. Später erschien die Insel auch als Santa Apolonia auf portugiesischen Karten sowie als France occidentale und île Dauphine, bevor sie den Namen „Madagaskar“ erhielt.
Im 17. und 18. Jahrhundert nutzten vor allem Piraten Madagaskar als Basis.
Das Königreich Madagaskar oder Königreich der Merina war ein erster und vorkolonialer Staat auf Madagaskar, er bestand von 1787 bis 1897. Die Herrscher entstammten dem Volksstamm der Merina, die in Zentralmadagaskar lebten und die größte ethnische Gruppe stellten. Die Hauptstadt war damals auch bereits das heutige Antananarivo.
Ende des 19. Jahrhunderts (ab 1895) konnte sich Frankreich gegen den Widerstand vieler Madagassen als Kolonialmacht etablieren. Als Manifestation und Symbol der Machtübernahme wurde noch im gleichen Jahr die letzte Königin von Madagaskar Ranavalona III. abgesetzt; Madagaskar wurde eine französische Kolonie. In dem folgenden halben Jahrhundert beuteten französische Unternehmer Glimmer- und Grafitminen aus und betrieben Kaffee- und Reisplantagen. Die einheimische Bevölkerung wurde durch das Apartheid-ähnliche System des „Code de l’indigénat“ massiv unterdrückt. Zwei nationalistische Rebellionen 1915 und 1929 wurden von Frankreich niedergeschlagen.
Während der Kolonialzeit 1896–1960 herrschten die Franzosen mit Militärgewalt. 1945 wurden die nach (beschränkter) Unabhängigkeit strebenden „Mouvement démocratique de la rénovation malgache“ (MDRM) (französisch für: Demokratische Bewegung für die Erneuerung Madagaskars), PANAMA und JINA gegründet. Ende März 1947 kam es im Norden der Insel zu einem Aufstand gegen die Kolonialmacht. In den ersten zwei Wochen töteten die Rebellen 200 französische Soldaten und es gelang ihnen, ein Gebiet von der Größe Österreichs (ein Siebtel der Gesamtfläche) unter ihre Kontrolle zu bringen. Frankreich entsandte daraufhin 18.000 Soldaten, die die Rebellion bis Ende 1948 niederschlugen. Dabei kamen nach herrschender Meinung etwa 90.000 Madagassen ums Leben.

Politik

Erst 1960 erhält Madagaskar seine Unabhängigkeit und Tsiranana wird zum ersten Präsidenten ernannt. Didier Ratsiraka, der Ex Außenminister übernimmt 1975 das Amt des Präsidenten und regiert als Diktator über die Insel. Er löst die Beziehung zu Frankreich und wendet sich dem Ostblock zu. Es wird vermutet, dass er 1989 nur durch Wahlfälschung für weitere 7 Jahre wiedergewählt wurde. Nach einem 6-monatigen Generalstreik, der die Insel lahm legt, kam es 1991 zu seinem Sturz. Ratsiraka verschwand für 5 Jahre im Exil! 1996 tauchte er wieder auf, gewann sofort seine Präsidentschaft zurück und blieb bis zu einer angefochtenen Wiederwahl 2001 im Amt. 2002 wird Marc Ravalomanana zum neuen Präsidenten ernannt. Nach 4 erfolgreichen Jahren im Amt wird er 2006 souverän wiedergewählt. Ravalomanana versprach, die Demokratie ins Land zurück zu bringen. 2009 trat er zurück und übergab dem Militär die Macht. Das Militär ernennt Rajoelina zum Präsidenten! Sowohl die EU als auch die Afrikanische Union erkennen ihn als Präsidenten nicht an und stellen die Leistung von Hilfsgelder ein. Daraufhin wurde sich auf der Insel auf einen Überganspräsidenten geeinigt! Ende Oktober 2013 kommt es zu einer „friedlichen und transparenten“ Präsidentenwahl, aus der nach einer Stichwahl Hery Rajaonarimampianina als neues Staatsoberhaupt für Madagaskar hervorgeht.
Seit 1960 ist die Republik Madagaskar wieder ein unabhängiger und eigenständiger Staat mit einem eigenen Sitz in der UNO. Dennoch ist der französische Einfluss im täglichen Leben und in den Geschäftsbeziehungen immer noch überdeutlich spürbar, bestärkt durch ständig erneuerte Kooperationsverträge, die seit der Unabhängigkeit zwischen Frankreich und Madagaskar abgeschlossen wurden.
Heute hat Madagaskar ein semipräsidentielles Regierungssystem (oder: gemischt präsidial-parlamentarisches Regierungssystem), weist sowohl Elemente des Parlamentarismus als auch des Präsidialsystems auf. Staatsoberhaupt ist Präsident Hery Rajaonarimampianina, Regierungschef ist Premierminister Olivier Mahafaly Solonandrasana.

Gesundheit

Im Jahr 2016 betrug die Lebenserwartung unter Frauen 67,4 und die Lebenserwartung unter Männern 64,3 Jahre. Die Fruchtbarkeitsrate liegt bei 4,12 Kindern pro Frau. Die Säuglingssterblichkeit beträgt 42 pro 1000 Lebendgeburten, die Müttersterblichkeit 353 pro 100.000 Lebendgeburten. Jedes zweite Kind ist unterernährt. In Madagaskar kommen auf 100 000 Personen etwa 16 Ärzte. Die Regierungsausgaben für das Gesundheitswesen betrugen 2014 3 % des BIP gemäß dem CIA World Factbook bzw. im Jahr 2009 2,7 % gemäß UNDP.
Zugang zu sauberem Trinkwasser, seit 2010 laut UNO ein Menschenrecht, besitzt laut WHO und UNICEF weniger als jeder zweite Inselbewohner. Versorgt werden hauptsächlich die städtischen Gebiete mit einem Schwerpunkt im Ballungsraum von Antananarivo.

Krankheiten

Die Pest, die Madagaskar 1898 erreichte, ist seit den 1920er Jahren endemisch. Besonders in der Regenzeit treten immer wieder Fälle auf.
Im Jahr 2015 betrug die HIV-Rate unter der erwachsenen Bevölkerung geschätzt 0,36 %.

Bildung

Etwa ein Drittel der Bevölkerung sind Analphabeten. Die Analphabetenquote ist bei weiblichen Jugendlichen weit höher als bei männlichen. Die öffentlichen Bildungsausgaben beliefen sich auf 18 Prozent der Staatsausgaben. Madagaskar hat sechs Universitäten, die in der Hauptstadt und den Provinzhauptstädten liegen, sowie ein Nationales Institut für Nuklearwissenschaften.

Quelle: Wikipedia.de