Wir helfen Hebammen auf Madagaskar

Wenn Frauen auf Madagaskar ein Kind bekommen, dann sind sie meist auf sich alleine gestellt und nur mit Glück, hilft ihnen eine Hebamme.

Doch die Hebammen haben dort fast nichts, um zu helfen, außer ihrem guten Willen. Sie können auf keine nenneswerte Infrastruktur zurückgreifen, sie arbeiten häufig alleine, unter desolaten Bedingungen und können selten auf eine ausreichende Berufserfahrung zurückgreifen.

Das wollen wir ändern und brauchen dabei Ihre Hilfe.

News

Fanajana 2020

Eigentlich wären wir in diesem Monat November wieder in Madagaskar um Fortbildungen durchzuführen, unsere Projekte zu besuchen und den Menschen zu begegnen. Wie so vieles, hat Covid-19 auch unsere Pläne durchkreuzt…

Bauphase Sevaseva

Ein Beispiel

Das ist eine Hebamme in einem Centre de Santé de Base (CSB) auf Madagaskar. Sie arbeitet 60 Stunden die Woche, 12 Monate im Jahr. Freie Tage kennt sie nicht. Sie ist sehr engagiert, aber sie ist die einzige Hebamme in dem kleinen Gesundheitszentrum und trägt die Verantwortung für alle Geburten alleine. Das CSB liegt in einem kleinen Dorf im Südwesten von Madagaskar, einem der ärmsten Teile der Insel. Das Dorf heißt Gogogogo, doch alle nennen es nur "Go4". Das nächste Krankenhaus befindet sich zu Fuß einen Tagesmarsch entfernt. Eine richtige Straße gibt es nicht. Das bedeutet, wenn eine Geburt pathologisch wird, hat die Hebamme keine Chance Hilfe zu holen. Und ihre eigene Ausbildung ist häufig nicht ausreichend, um Notfälle alleine zu bewältigen.

Vor Ort

Wir waren dort

2018 waren wir vor Ort

Centre de Santé de Base

Das madagassische Gesundheitsministerium betreibt im ländlichen Madagaskar Krankenstationen - Centres de Santé de Base, kurz "CSB" - die der medizinischen Basisversorgung der Bevölkerung dienen sollen.

Pro CSB sind üblicherweise ein bis drei Angestellte beschäftigt, meist eine Hebamme oder Krankenschwester, in seltenen Fällen auch ein Arzt. Häufig bleiben offene Stellen jedoch unbesetzt. Die beschwerlichen Arbeitsbedingungen stellen das Personal täglich vor neue, schwierige Herausforderungen. Oft mangelt es in den entlegenen Gebieten an Nachschub von Medikamenten, Verbrauchsmaterial und medizinischem Material.

Viele Dörfer verfügen über keinerlei Straßenanbindung oder Elektrizität. Selbst mit dem Geländewagen ist es bei besten Wetterverhältnissen eine Tagesreise bis ins 250 km entfernte Toliara, der nächstgrößeren Stadt an der Küste.

Die Ausstattung und Bausubstanz ist absolut unzureichend und teilweise am Rande des erträglichen. Immer wieder sind die hygienischen Zustände katastrophal. Tote Ratten hängen aus defekten Deckenverkleidungen oder Fledermäuse besudeln die Patienten mit Exkrementen.

Es fehlt an vernünftigem Mobiliar, Schränke zum Lagern der Materialien, soweit diese überhaupt vorhanden sind. Schreibtische und Stühle fehlen ebenso wie Untersuchungsliegen und Beleuchtung.

Weiterbildung

Die Motivation der dort tätigen einheimischen Hebammen ist unglaublich hoch, jedoch werden auf Madagaskar junge Hebammen häufig direkt nach der Ausbildung in entlegene, ländliche Gebiete entsendet. Sie sind dort häufig ganz auf sich allein gestellt.

Weder der Ausbildungsstand, welcher von den Hebammen selbst als unzureichend empfunden wird, noch eine ausreichende Erfahrung, steht ihnen dort zur Verfügung.

Dr. Martin Frank

Wichtige Weiterbildungsziele sind neben der Auffrischung der Inhalte eines ganz normalen Schwangerschaftsverlaufes und einer unkomplizierten Spontangeburt, ganz besonders die möglichen, oft lebensbedrohlichen Komplikationen und Notfälle.
Notfallszenarien sollten immer wieder geübt werden und zwar am besten an sog. Geburtssimulatoren und nicht an wirklichen Patientinnen. Aus Fehlern kann man bei den Simulationen nur lernen, bei Menschen hätte das fatale Folgen.
Fortbildungsinhalte sind deshalb u. a. das Erkennen pathologischer Schwangerschaftsverläufe sowie das Erkennen pathologischer Geburtsverläufe und falls überhaupt möglich, die rechtzeitige Verlegung in ein Krankenhaus oder aber bei Unmöglichkeit der Verlegung ausreichende Kenntnisse über z.B.

  • Die Entwicklung von Beckenendlagen
  • Die Durchführung von Saugglocken- und Zangenentbindungen
  • Das Vorgehen bei Schulterdystokien
  • Das Vorgehen bei Störungen der Nachgeburt
  • Das Vorgehen bei Blutungsproblemen
  • Die Versorgung von Geburtsverletzungen
  • Die Neugeborenenreanimation

Dies sollte, wie gesagt, immer wieder trainiert und wiederholt werden, um im Notfall richtig und zügig agieren zu können.

Ein weiterer Schwerpunkt unserer Fortbildungen ist das Thema der Familienplanung. In enger Zusammenarbeit mit dem madagassischen Gesundheitsministerium wollen wir dafür Sorge tragen, dass den Hebammen für ihre Patientinnen ausreichend Aufklärungsmaterial und Verhütungsmittel zur Verfügung stehen und dass sie auch selbst die nötigen Kenntnisse und Fertigkeiten im Umgang mit diversen Methoden zur Verhütung besitzen.